Bildung im Kontext von Ideologie und Macht
 
Die türkische Universitätsreform und die jüdischen Akademiker in der Perspektive
 
Konferenz
 
 
In Zusammenarbeit mit
Hrant Dink Stiftung
Bosphorus Universität
Österreichisches Kulturforum 
 
Das Atatürk-Institut der Bogazici-Universität, das Goethe-Institut Istanbul und das Österreichische Kulturforum Istanbul organisieren vom 31. Oktober bis 1. November 2013 zum Thema „Bildung im Kontext von Ideologie und Macht“ eine Konferenz an der Bogazici-Universität in Istanbul.
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Auf der Konferenz werden die türkische Universitätsreform der 1930er Jahre und die Zuwanderung von jüdischen und sozialistischen Akademikern aus dem Deutschland der Nazizeit sowie aus Österreich und Ungarn anlässlich des 80. Jahrestages ihrer Ankunft diskutiert.
 
Die Aufnahme von zumeist jüdischen Professoren in die Türkei ist Teil eines etablierten Diskurses, der vor allem die Bemühungen der frühen türkischen Republik, die modernen Wissenschaften und Disziplinen in die neue Türkei zu bringen, betont. In diesem Zusammenhang wird häufig auf die humanitär-menschenfreundliche Dimension der Politik des türkischen Staates zu dieser Zeit hingewiesen.
 
Die Forschung über die türkische Universitätsreform, die umgesetzt wurde durch die Anstellung von Exil-Akademikern an türkischen Universitäten, beschäftigt sich hauptsächlich mit den Auswirkungen der Reform: die Etablierung neuer Disziplinen, neuer Lehrpläne und neuer akademischer Traditionen in der türkischen Hochschullandschaft. Historische Romane und Dokumentarfilme betonen die Rolle der Türkei als sicheren Zufluchtsort für die aus Europa vertriebenen Juden.
 
Diese offizielle Version der republikanischen Geschichte ist heute allerdings umstritten. Untersuchungen über die Türkische Universitätsreform, die bislang unter den Teppich gekehrt wurden, kommen nun zurück ans Tageslicht und ziehen das Klischee der „Türkei als sicherer Hafen für Juden“ in Zweifel.
 
Die Konferenz will folgende Fragen aufgreifen: Welcher Art sind die Beziehungen zwischen der Türkischen Universitätsreform der 1930er Jahre auf der einen Seite und der Etablierung einer neuen Nationalidentität und der Konstruktion eines neuen historischen Narrativs auf der anderen Seite? In welchem Grad spiegelte sich die türkische Aufnahmepolitik für vertriebene jüdische Akademiker auch in der Politik des Staates gegenüber jüdischen Flüchtlingen bzw. gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in der Türkei wieder? Was sind die Gründe für das Schweigen von hochpolitisierten Exil-Akademikern über das politische Klima in der Türkei in dieser Zeit? Warum verließ eine Mehrheit der Professoren die Türkei bei der ersten Gelegenheit wieder? Was ist heute geblieben von der akademischen Pionierarbeit dieser Periode und was sind die Gründe für das fortgesetzte Florieren einiger Disziplinen und den Verfall von anderen?
 
31.10.2013, 09.30-17.00 Uhr
01.11.2013, 09.00-13.00 Uhr
Boğaziçi Üniversitesi
Rektorat / Süd-Campus
Bebek / Istanbul
Englisch und Türkisch mit Simultanübersetzung
Eintritt frei.